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Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Charlotte Voß

Es ist Sommer. Besonders genieße ich es abends bei angenehmen Temperaturen im Garten zu sitzen und den Geräuschen zu lauschen. Die Vögel zwitschern, die Kinder in der Nachbarschaft spielen länger draußen, man hört das Stimmengewirr aus anderen Gärten im Viertel und die Sonne geht langsam unter. Friedlich – so scheint es jedenfalls für ein paar Minuten.

Dann ertönt das Tröten einer Vuvuzela. Die Fußball-Weltmeisterschaft hat begonnen. Während ich diese Worte schreibe, sind die Politiker unserer Regierung dabei sich wegen der Asylpolitik zu überwerfen und manche Äußerung, die von den Medien in aller Breite ausgeschlachtet wird, erinnert eher an Selbstprofilierung, statt an überlegte Aktionen und Wege, die zum Wohle aller Menschen in Deutschland getätigt werden.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21) Was wäre, wenn die Politiker dieser Welt mehr auf Paulus hören würden? Könnten dann manche persönlichen Konflikte beiseite geräumt werden und würden wieder gemeinschaftsfördernde Wege gesucht werden?

Ich finde diese Idee im Begriff von Gerechtigkeit, wie er in der Bibel gebraucht wird, wieder. Der Begriff der Gerechtigkeit wird nicht nur im Zusammenhang von Recht und Unrecht gebraucht. Er meint jedenfalls nicht, dass Einzelne sich profilieren können. In der Bibel beschreibt der Begriff Gerechtigkeit ein bewusst gewähltes Verhalten, das das zwischenmenschliche Zusammenleben fördert und auch häufig die Beziehung zu Gott gelingen lässt.

Ich finde dies eine tolle Vorstellung, wenn die Medien nicht mehr nur darauf aus wären, die reißerischste Schlagzeile zu produzieren, sondern differenzierter die Geschehnisse in der Welt darstellen würden. Ja mehr noch. Wenn sie neben dem Aufzeigen von Problemen auch Beispiele liefern, wo es Menschen gelingt, Lösungen zu finden. Dies ist konstruktiver Journalismus und wäre bitter nötig.

Und auch in meinem eigenen Leben könnte ich mich fragen, wo es Momente gibt, in denen ich durch mein Verhalten aktiv dazu beitragen kann, dass sich Verhältnisse in dieser Welt verändern. Dies könnte bei meinem eigenen Verzicht auf Plastikprodukte liegen, die die Welt überschwemmen und die Tiere in den Meeren töten. Oder ich könnte immer wieder darauf achten, dass ich auch Produkte kaufe, die fair produziert wurden, damit Menschen in anderen Ländern von ihrer Arbeit Leben können und dadurch eine Fluchtursache bekämpft wird. Der Gerechtigkeit nachjagen, kann auch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft passieren. Mit den Menschen um mich herum reden, wahrnehmen, wo Engpässe sind, weshalb es Ängste und Befürchtungen gibt, Grenzen und Vorurteile abbauen und auch selbst um Hilfe bitten.

Ich wünsche mir, dass das biblische Prinzip von Gerechtigkeit auch in der heutigen Zeit unser eigenes Handeln mit Kraft, Liebe und Besonnenheit prägt, damit ein gutes Leben für alle und gelingende gemeinschaftliche Beziehungen herauskommen. Dann würden sich die Worte der Bergpredigt „Selig sind die, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. (Matthäust 5,6)“ erfüllen.

Ich wünsche uns allen über den Sommer hinweg eine erholsame Zeit, auch um Kraft zu tanken für die neuen Herausforderungen und Themen, die auf uns warten.

Frieden und Gottes Segen,

Ihre Charlotte Voß!

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