Menu
Menü
X

Danke aus dem Kirchenvorstand

Kirchenvorstand

Kirchenvorstand

Herzlichen Dank für Ihre Kirchensteuer, liebes Mitglied der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen! Das möchte ich Ihnen noch am Beginn des neuen Jahres sagen. Durch Ihre Kirchensteuer erhalten Sie das Solidarsystem Kirche aufrecht, das es ohne diese nicht geben würde.

Neulich fragte mich eine Mutter am Telefon, was denn die Taufe ihres Kindes kosten würde. Sie würde gern etwas spenden. Die einfache und eindeutige Antwort ist: Die Taufe und alle anderen Amtshandlungen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen oder auch Sonntagsgottesdienste kosten gar nichts. Und sie sind auch durch (höhere) Spenden nicht bezahlbar: Denn wir Pfarrerinnen und Pfarrer erhalten das ganze Jahr unser Gehalt, gehen auf Fortbildungen und versuchen Ihnen zeitgemäße, aber auch wissenschaftlich redliche Gottesdienstformen, Bibelauslegung, Seelsorge und Theologie zu bieten. Ebenso erhalten Kirchenmusikerin, Gemeindepädagoge und die Mitarbeiterinnen, die im Gemeindebüro Ihre Urkunden und Unterlagen zusammenstellen, monatlich ihren Lohn. Und ebenso erhalten wir die Kirche, unsere Gemeindehäuser und Kindertagesstätten das ganze Jahr, auch wenn Sie gerade keinen Gottesdienst und keine Taufe brauchen, oder Ihr Kind längst in der Schule ist – durch die Kirchensteuer.

Deshalb nochmals Danke! Für Ihre Kirchensteuer, die eine verlässliche Grundlage für all unsere Tätigkeiten ist. In Hessen zahlen Sie neun Prozent Ihrer Lohn- oder Einkommenssteuer an Ihre Religionsgemeinschaft. Im Prinzip ist das ein solidarischer Mitgliedsbeitrag, der sich nach der Höhe Ihres Einkommens richtet – weswegen Studierende, Arbeitslose und Geringverdienende gar nichts zahlen müssen. Besonders Wohlhabende können ihre persönliche Kirchensteuer auch auf 3,5 Prozent des Einkommens kappen lassen.

Das deutsche Solidarsystem Kirche ist eine Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803. Nachdem alle verbliebenen (katholischen) geistlichen Fürstentümer als Entschädigung für Verluste an Frankreich an weltliche Herrschaften aufgeteilt worden waren, hatten alle drei Kirchen (römisch-katholische, lutherische und reformierte) fast keinen Besitz mehr, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Ursprünglich hatten die Kirchen ihre Ausgaben durch die Bewirtschaftung eigener Ländereien gedeckt. Lippe-Detmold erlaubte 1827 erstmals der Kirche, erforderliche Geldmittel von eigenen Mitgliedern zu erheben. Die meisten anderen Gebiete zogen nach. Es entstand ein solidarischer Mitgliedsbeitrag, der 1919 in der Weimarer Reichsverfassung festgeschrieben wurde: die Kirchensteuer. Die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz haben von dieser Steuer auch etwas: Für den Kirchensteuereinzug behalten sie vom Gesamtbetrag drei Prozent.

Wo genau Ihr Mitgliedsbeitrag eingesetzt wird, kann ich Ihnen nicht sagen – und das ist auch gut so: In Hessen werden die meisten Kirchensteuern im Taunus gezahlt, durch hohe Einkommen. Würde die Kirchensteuer immer dort verwendet, wo sie auch gezahlt wird, würden einige Gemeinden immer reicher und andere immer ärmer. Seligenstadt-Mainhausen läge vermutlich eher im unteren Mittelfeld, weil wir zwar im wohlhabenderen Rhein-Main-Gebiet liegen, aber verhältnismäßig wenige Mitglieder haben (prozentual zur Gesamtbevölkerung). Gesetzlich festgeschrieben ist in Hessen-Nassau, dass die Kirchensteuer zu mindestens 50 Prozent direkt den Kirchengemeinden zugutekommt. Dieser Anteil wird vor allem nach Mitgliedern und Gebäuden aufgeteilt.

Aber erhalten die Kirchen nicht noch Staatszuschüsse für ihre soziale Arbeit? Das ist richtig und als „Subsidaritätsprinzip“ im Bundessozialhilfegesetz festgeschrieben: Wo freie Träger in der Gesellschaft tätig sind, soll der Staat keine eigenen Einrichtungen schaffen, sondern diese mit ausreichenden Mitteln fördern. Das geschieht z.B. auch in den Evangelischen Kindertagesstätten Regenbogen und Niederfeld, die von der Evangelischen Kirchengemeinde geleitet und verwaltet werden, aber zu 85 Prozent vom Staat bezahlt werden. Ohne Kirchensteuer könnten sie trotzdem nicht betrieben werden, da wir ansonsten nicht die dauerhafte Verwaltung für diese Einrichtungen vorhalten könnten. Deshalb noch ein drittes Mal: Danke für Ihre Kirchensteuer! Sie können diese übrigens, wie andere soziale Beiträge auch bei der Steuer als Sonderausgabe anrechnen lassen.  Martin Franke

 


top